Steinsarg

Steinsarg

steinsarg-helga-henschelMysteriöser Mord – Türkei, Expo 2016 in Antalya, Krieg in Syrien, zahllose Flüchtlinge retten ihr Leben und kommen ins Land. In diesen explosiven Zeiten entdeckt eine deutsche Touristin eine Leiche. Gekrümmt liegt ein Mann im offenen Steinsarg in der alten Stadt „Termessos“. Erdbeben hinterließen dort Ruinen und offene Gräber. Komiser Acar und seine Assistentin Seval Celik suchen den Mörder.
Dabei helfen anfangs nur spärliche Hinweise. Und der Mörder ist clever! Steckt etwa die türkische „Mafia“ dahinter? Die Kommissare finden ihn schließlich,
doch sie wünschen das Gegenteil.

Taschenbuch, 222 Seiten, 9,55 Euro, Createspace Amazon
E-Book, 2,99 Euro, Amazon

Leseprobe:

Der Mord – Ich fand seine Adresse im Internetcafé. Sie stand in einem Verzeichnis mit Daten über fleißige Internetnutzer. Er war jung und betätigte sich in den sozialen Medien. Da war es kein Wunder, wenn irgendwann die Kontaktdaten im Netz auftauchen und für jedermann zugänglich sind. Und als jedermann interessierte ich mich dafür.

Ich will ihn umbringen. Er hat mich beleidigt. Das, was er getan hat, ist nicht zu verzeihen. Ich stehe in einem dunklen Hauseingang. Es scheint unbewohnt zu sein. Ich beobachte das verlassen wirkende Haus, in dem mein Opfer wohnt, seit ein paar Tagen. Der düstere Hauseingang ist ein sehr guter Platz, um die gegenüberliegende Hausfront unauffällig zu beobachten. Die Straße ist nicht so belebt, eine Sackgasse. Morgens kommen nur die Anwohner aus den Häusern und gehen meist zu ihren geparkten Autos. Abends suchen sie einen Parkplatz und gehen mit dem Schlüssel in der Hand zur Haustür. Inzwischen kenne ich sie alle und wusste auch, in welcher Wohnung sie wohnten. Das heraus zu finden, war mehr als leicht. Schloss unten jemand die Haustür auf, leuchtete kurz danach Licht über den Balkon auf die Straße.

So stellte ich auch fest, dass es keine Hunde in der kleinen Straße gab. Das war von Vorteil. Hundebesitzer müssen mehrmals am Tag ihre Hunde ausführen. Dabei sehen sie so einiges und verhalten sich gelangweilt aufmerksam. Was soll man auch anderes tun, wenn der Köter sich mehrmals um sich selber dreht, bis der Liebling endlich die richtige Stellung für sein großes Geschäft gefunden hat. Da kann man nur stehen bleiben und wegschauen. Es bleibt einem Nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass kein erboster Zeitgenosse sich über Hundekot auf dem Gehweg aufregt…

Die Mordermittlung – Die deutsche Reisegruppe saß an diesem Montagmorgen gut gelaunt im Bus. Das Hotel in Antalya im Süden der Türkei und das Frühstücksbüfett hatten breite Zustimmung gefunden. Ausgeruht und gestärkt sollte es an diesem Reisetag zu einer sehenswerten Ruinenstadt gehen, eine alte, zerstörte Stadt am Berg.

Die Reisegruppe erschien wie immer rechtzeitig am Bus. In puncto Gruppenreisen erwiesen sich die achtzehn Teilnehmer als alte Hasen. Sie hatten Routine. Keiner scherte aus oder beanspruchte eine Sonderbehandlung. Das ist nicht immer so, aber meistens. Sie schätzten die Bequemlichkeit einer Gruppenreise – suchen, buchen und einsteigen. Hotel, Mahlzeiten, Transport und Sehenswürdigkeiten waren bis ins kleinste Detail geplant. Wie der Altersdurchschnitt der Teilnehmer belegte, schätzen diese Art des Urlaubs nicht nur ältere Menschen, sondern durchaus auch jüngere. Die Bildungstouristen konnten sich ganz auf Sehenswertes konzentrieren. Das taten sie auch mit Elan. Die richtige fotografische Ausrüstung gehörte unabdingbar dazu.

Das Wetter ließ allerdings zu wünschen übrig. In Antalya, wo im Sommer zuverlässig die Sonne vom Himmel brannte und das Meer zum Baden einlud, zeigte sie sich im April nur ab und zu. Es war frisch und eine Windjacke erforderlich. Doch das beeindruckte die Urlauber rein gar nicht. Sie waren nicht wegen Strand und Sonnenbaden gekommen. Sie wollten etwas von der Gegend sehen. Und so konnte der Bus pünktlich starten. In der morgendlichen Rushhour kam der Bus allerdings nur langsam voran. Das bot die Gelegenheit, das Treiben auf den Straßen etwas genauer in Augenschein zu nehmen. In der touristischen Nebensaison war davon auszugehen, dass sich meist Einheimische zeigten. Das unverfälschte Leben ließ sich beobachten und ab und an einen Schnappschuss machen.

Der Bus kam in die Randgebiete von Antalya. Auf der ausgebauten Schnellstraße fuhr er in Windungen ins Taurus-Gebirge. Unterwegs war noch am Berghang das steinerne Abbild des Staatsgründers Kemal Atatürk zu sehen. Schnell fotografieren. Es erinnere an die vier amerikanischen, in Stein gehauenen Präsidentenköpfe.

An beiden Seiten waren immer wieder gepflegte Picknickparks zu entdecken. An einem ganz gewöhnlichen Montagvormittag zeigten sich nur wenige Gäste. Der Abzweig nach Termessos war mit einem braunen Straßenschild für Sehenswürdigkeiten gut ausgeschildert. Gar nicht zu übersehen…

Das Motiv – … Er zitterte am ganzen Leib.

„Wir landeten in der Dunkelheit auf einem zwölf Meter langen Schiff am Strand. Ganz in der Nähe lag ein Touristenörtchen. Da war im Winter nicht viel Betrieb und regelrecht verödet. Nachts war der Strand leer. Das Boot trieb ohne Motor seicht auf den weichen Sand. Der Schleuser und Kapitän des Bootes hatte uns auf dem Boot eingetrichtert, dort zu bleiben, wo wir saßen. Wir würden schon von dem maroden Boot und ans rettende Land kommen. Ob alle ihn verstanden, war eine andere Frage. Doch wir blieben sitzen, auch als das Holzboot ganz nahe ans Ufer kam. Zu schnell hätte das Boot Schlagseite bekommen können und wäre im schlimmsten Falle umgekippt. Und Schwimmwesten besorgten sich nur die Wenigsten. Meine Söhne verfügten über Schwimmflügel an ihren dünnen Ärmchen. Das Boot legte an, direkt an den Strand. Wir waren am Ziel unserer lebensgefährlichen Reise.

Der Schleuser sagte uns, dass wir uns auf keinen Fall bei der Polis melden sollten. Denn dann wären wir in ein Lager gesteckt worden und die sollten grausig sein. Kaum waren wir sicher an Land, klaubten wir unser weniges Gepäck zusammen und stiegen über die Bordkante auf den Sand. Ehemänner sorgten dafür, dass ihre Familie heil an Land kamen. Junge Männer oder Jungen sprangen über die Reling und liefen am Strand entlang in die Dunkelheit. Ebenso machten es die anderen, nur in die entgegengesetzte Richtung. Je nachdem, wie es mit den Geldreserven aussah, konnten wir ein Bus- oder Zugticket kaufen und in größere Städte gelangen. Dort war das Unterkommen leichter und Arbeit fand sich auch. Wenn die Polis sie nicht erwischte, wurden sie auch nicht registriert. Also schlichen wir leise und unbemerkt den Strand entlang…